Post von Christoph und Toni

29. Juli 2010

Wie  bei allen Haushalten in der Schweiz ist heute auch beim Nachtwaechter Post von Christoph und Toni in den Briefkasten geflattert. Trotz “Stopp Werbung”-Kleber. Schon auf der Titelseite kann ich lesen wieso: “Achtung: Bei dieser Zeitung handelt es sich weder um Werbung noch um Reklame, sondern um eine politische Information. Darum darf sie auch in jene Briefkästen gesteckt werden, auf denen sich ein Stopp-Kleber befindet. Wir danken für Ihr Verständnis.” Christoph und Toni wollen von mir im Rahmen einer “Volksbefragung” wissen, welche Ausländerpolitik ich will. Da hat der Nachtwaechter ja nochmals Schwein gehabt, für die SVP gehört er doch noch zum Volk, auch wenn des Nachtwaechter’s Abstimmungsverhalten Christoph und Toni ziemlich irritieren dürfte.

Gratulation an Christoph und Toni, die Zeitung hat einen hervorragenden Unterhaltungswert und ein hohes Irritationspotential:auf den Seiten 4 und 5 beispielsweise wird die hohe Einwanderung in die Schweiz in Zusammenhang mit der 2002 eingeführten Personenfreizügigkeit gestellt. Die Aufhebung der Kontingentierung 2007 habe zu einer explosionsartigen Zunahme der Einwanderung geführt. Komisch nur, dass auf der auf Seite 5 abgedruckten Grafik kein Zusammenhang zwischen Personenfreizügigkeit und Einwanderung festzustellen ist, die Einwanderung verharrte bis 2005 ungefähr auf dem Niveau von 2001, also vor der Einführung. Einen Zusammenhang zwischen Aufhebung der Kontingentierung und der starken Zunahme der Einwanderung in den Jahren 2007 und 2008 herstellen zu wollen, dünkt den Nachtwaechter schon ziemlich abenteuerlich. Ist es nicht vielmehr so, dass der Wirtschaftsboom in diesen Jahren für eine starke Erhöhung der Nachfrage nach Arbeitskräften gesorgt hat, welche durch einheimische Arbeitnehmer gar nicht mehr gedeckt werden konnte?

Immer wieder lustig ist das Gejammer der SVP über den hohen Ausländeranteil in der Schweiz. Um die angeblich dramatische Situation der Schweiz zu illustrieren, wird das Beispiel USA angeführt, wo der Ausländeranteil nur 14% beträgt. Kein Wort davon, dass es wesentlich einfacher ist in den USA die Staatsbürgerschaft zu erlangen als in der Schweiz. Und was muss das für eine schwache nationale Identität sein, welche durch die Einwanderung in ihrer Existenz bedroht ist?

Offen zur Diskrimnierung von Ausländern ruft die SVP auf Seite 10 auf. Dort wird kritisiert, dass die Ausländer sofort Anspruch auf Arbeitslosengeld und IV-Leistungen hätten. Liebe SVP, Arbeitslosengeld und IV-Leistungen werden von Versicherungen ausbezahlt, in die wir unsere Prämien als Lohnabzüge einzahlen, auch die Ausländer. Auf den Seiten 14 und 15 stellt die SVP einen Zusammenhang zwischen Islam und Ausländer-/Asylpolitik her. Liebe SVP, es gibt auch Schweizer Muslime.

Den Spitzenplatz bezüglich Unterhaltungs- und Irritationswert nimmt aber der eigentliche Fragebogen in der Mitte der Zeitung ein.  Da kann der Befragte aus 10 Massnahmen auswählen, die er unterstützt. Selbstsprechend sind alle dieser 10 Massnahmen auf der politischen Linie der SVP. Gerade mal 3 Möglichkeiten haben eher kritische Geister zur Auswahl. Kommt dem Nachtwaechter ein bisschen so vor, wie was er über die Volksbefragungen in Hitler-Deutschland gehört hat: “Wollt ihr, dass Adolf Hitler Reichskanzler ist?” Das (erwartete) Ja konnte in einem grossen Kreis angekreuzt werden, für das Nein stand ein kleines Kreislein zur Verfügung. Wer kritische Anmerkungen machen will, muss sich die Mühe machen, diese im Feld “Mein Vorschlag” aufzuschreiben. Kleine, nette Barriere um zu viele kritische Rückmeldungen zu verhindern, wenn’s wider Erwarten trotzdem sehr viele sein würden, könnte man immer noch die Auswertung frisieren. Oder traut die SVP ihren Supportern das Schreiben nicht zu?

Auf den letzten 3 Seiten der Zeitung dann noch eine ganzseitiges Schäfchen-Plakat und ein Unterschriftenbogen für Volksinitiative “Volkswahl des Bundesrates”. Soviel zum Thema “bei dieser Zeitung handelt es sich weder um Werbung noch um Reklame”. Da sich die SVP damit mit Werbung über des Nachtwaechter’s Stopp-Werbung Kleber hinweggesetzt hat, fühlt sich dieser veranlasst, die ganze Zeitung unfrankiert an folgende Adresse zu retournieren: SVP Schweiz, Generalsekretariat, Postfach 8252, 3001 Bern.

Nachtwaechter, 29.07.2010

“Der coole, wortkarge Unbekannte”

20. Juli 2010

Wie weit gehen Schweizer Medien in der Idealisierung von Straftätern? Sehr weit sind die Blätter aus dem Hause TA Media am letzten Samstag, 17.7.2010 gegangen. Hans Leyendecker durfte eine ganze Zeitungsseite lang über den von Deutschland finanzierten Bankdatendieb schwärmen. Hans Leyendecker ist “investigativer” Journalist der “Süddeutschen Zeitung”. Es fällt auf, dass seine Artikel zum Thema jeweils sehr gut getimed sind, er kann häufig dann mit angeblich recherchierten Infos aufwarten, wenn gerade eine Aktion von deutschen Beörden gegen eine Schweizer Bank läuft, so wie aktuell die Hausdurchsuchungen bei der CS in Deutschland.

Die CS müsste schon sehr dumm sein, wenn bei ihren Niederlassungen in Deutschland belastendes Material zu finden wäre. Bekanntlich existiert in Deutschland kein Bankgeheimnis, die Behörden haben Zugriff auf sämtliche Kontodaten der Bankkunden. Wieso sollte also ein deutscher Steuerhinterzieher sein Geld zu einer deutschen Bank bringen? Wie auch bei der UBS funktioniert das Onshore-Geschäft (also die Niederlassungen in Deutschland) völlig getrennt vom Offshore-Geschäft (die Betreuung von ausländischen Kunden in der Schweiz). Mitarbeiter der CS in Deutschland betreuen keine Kunden der CS in der Schweiz und sie können sie auch nicht in die Schweiz vermitteln. Wie sollen diese Mitarbeiter also aktive Beihilfe zur Steuerhinterziehung geleistet haben? Die vom “coolen, wortkargen Unbekannten” entwendeten Daten betreffen Offshore-Kunden, also Ausländer, die von der Schweiz aus betreut werden. Für den nachtwaechter ist kein Zusammenhang zwischen den gestolenen Offshore-Daten und den Onshore-Kunden in Deutschland ersichtlich. Von einem “investigativen” Journalisten wäre zu erwarten, dass er sich mit solchen Fragen und Widersprüchen beschäftigt und nicht einfach ein Sprachrohr von deutschen Daten-Hehlern ist. Und von den Blättern aus dem Hause TA Media wäre zu erwarten, dass man sich nicht so naiv in eine Druckstrategie von deutschen Behörden einbinden lässt. Aber was macht man nicht alles, um auf den Schweizer Grossbanken herumhacken zu können.

Nachtwaechter, 20.07.2010

“Jetzt besteht Hoffnung auf mehr”

12. Juli 2010

“Mit Simonetta Sommaruga steht eine lösungsorientierte Sachpolitikerin parat, die eine glückliche Mischung aus Erfahrung und Raffinesse verspricht”. So Patrick Feuz im Frontseitenkommentar zur Bundesratsnachfolge von Moritz Leuenberger im “Bund” vom 10.07.2010. Der “Bund” nennt sich eine unabhängige und liberale Tageszeitung. Von einer unabhängigen und liberalen Tageszeitung hätte der Nachtwaechter mindestens erwartet, dass die Regierungsbeteiligung der SP in Frage gestellt wird. Aber nichts dergleichen, Simonetta Sommaruga wird quasi in den (Polit-)Himmel geschrieben. Als Angehörige des rechten Flügels der SP sei sie eine Fast-Bürgerliche. Der Nachtwaechter ist nicht überzeugt und bleibt dran.

Nachtwaechter, 12.07.2010

“Tun Sie doch nicht so überrascht”

09. Juli 2010

So Bundesrat Moritz Leuenberger bei der Medienkonferenz zu seinem Rücktritt zu den versammelten Bundeshausmedien. Der Nachtwaechter war politisch kaum je mit dem “roten Moritz” einverstanden. Er fühlt zwar selber keine Genugtuung, sieht aber, dass der Rücktritt von Moritz Leuenberger viele Gewinner bringt:

  • die Medien haben ihr Fressen für die Saure-Gurken-Zeit gefunden
  • die SVP kann ihren Anspruch auf einen zusätzlichen Sitz im Bundesrat geltend machen und “täubele” wenn’s nicht klappen sollte
  • die SP kann mit einem frischen Bundesrat (oder Bundesrätin) in den Wahlkampf 2011 steigen
  • Bundesrat Merz hat wieder mal gesehen, wie das so geht mit einem Rücktritt, der Nachtwaechter hofft auf einen Nachahmungseffekt

Aktuelle Berichterstattung zum Rücktritt auf www.nzz.ch. Eine kritische Bilanz (geschrieben bereits Anfang 2010, in weiser Voraussicht) in der Weltwoche.

Nachtwaechter, 09.07.2010

“Diebstahl kann moralisch gerechtfertigt sein”

07. Juli 2010

So etwa das Fazit aus Aussagen von Andreas Missbach, Finanzexperte der “Erklärung von Bern” in einem Interview mit der 3sat-Sendung “Schweizweit” am 26.06.2010. In der Sendung ging es unter anderem um ethisches Verhalten auf dem Schweizer Finanzplatz und die mutmasslichen deutschen Steuersünder, welche nun wegen bei CH-Banken geklauten Daten schlaflose Nächte haben. Datendiebstahl ist also gemäss Herr Missbach zu rechtfertigen im Kampf gegen Steuersünder. Und das Recht sei halt in diesem Fall nicht recht… Unglaubliches Rechtsverständnis, findet der nachtwaechter. Die Interviewerin in der besagten Sendung, Wasiliki Goutziomitros, war leider nicht willig oder nicht in der Lage, die Aussagen des Herren Doktor kritisch zu hinterfragen. Dabei gab’s gleich mehrere Steilvorlagen:
Die Aussage, dass Wachstum mit Erfolg gleichzusetzen ist (im Zusammenhang mit der Geschäftentwicklung der Alternativen Bank Schweiz), ist für einen Vertreter einer entwicklungspolitischen Organisation ja schon bemerkenswert. Oder das die CH-Banken zwischen 1000 und 2000 Milliarden ausländisches Steuerfluchgeld verwalten. Ohne jegliche Grundlage werden da Zahlen in den Raum gestellt und von der Moderatorin kritiklos akzeptiert. Die Summe der von CH-Banken verwalteten Vermögen von ausländischen Kunden belief sich 2008 auf CHF 3000 Milliarden (http://www.swissbanking.org/en/20091119-2400-factsheet_finanzplatz_schweiz_de-rva.pdf). Missbach ist immerhin so grosszügig, den Datendieben auch noch moralische Beweggründe zuzugestehen. Da die Datendiebe vom deutschen Staat mit mehreren Millionen Euro entschädigt wurden, fragt sich der nachtwaechter, ob Herr Missbach nicht einfach sehr naiv ist.

Nachtwaechter, 07.07.2010

Professorin für soziale Arbeit

24. Juni 2010

Gelesen im Beobachter 11/2010: “Solange der Bund 60 Milliarden für die Rettung einer einzigen Bank ausgibt, gibts für Bildung genügend Geld.” Gesagt von Katharina Prelicz-Huber, Nationalrätin und Professorin für soziale Arbeit.

Bei der guten Dame scheinen bezüglich wirtschaftspolitischem Know-How einiges schief gelaufen zu sein:

Das Engagement des Bundes betrug nicht 60 Milliarden, sondern 6 Milliarden. Aus der NZZ vom 21.08.2009: Peter Siegenthaler, Direktor der Eidgenössischen Finanzverwaltung, erklärte auf Anfrage, für den Steuerzahler habe sich das Risiko, das mit der Zeichnung der Pflichtwandelanleihe im Oktober 2008 eingegangen worden sei, reichlich ausgezahlt. Aus der Placierung der Titel wurden direkt 5,48 Mrd. Fr. gelöst, und weiter erhielt die Eidgenossenschaft von der UBS noch 1,8 Mrd. Fr. für geschuldete zukünftige Couponzahlungen. Grob gerechnet, erzielte der Bund auf seiner Position von 6 Mrd. Fr., die er rund acht Monate gehalten hatte, Nettoerlöse von etwas über 1,2 Mrd. Fr., was hochgerechnet auf ein Jahr die stolze Rendite von über 30% ergibt.

Die von der Nationalbank finanzierte Zweckgesellschaft für die US-Schrott-Hypotheken der UBS hatte per Ende 2009 Schulden von 24 Milliarden USD. Die 24 Milliarden USD werden der UBS aber der Nationalbank und nicht dem Bund geschuldet. Es ist natürlich zu erwarten, dass sich gerade Politiker mit der Geisteshaltung von Frau Prelicz-Huber um diesen Unterscheidung foutieren. Zu gerne hätten sie mehr Einfluss auf die unabhängige Notenbank. Wie so etwas herauskommt zeigen die Beispiele Venezuela oder aktuell auch die Euro-Zone.

Interessant ist auch der Kontext in dem die Professorin die Aussage gemacht hat: im besagten Beobachter-Artikel ging es um die Fachhochschulen, welche in den letzten Jahren Opfer ihres eigenen Erfolges geworden seien und daher, gemäss Frau Huber-Prelicz, mehr Geld benötigen. Auch dies eine bezeichnende Einstellung für die Präsidentin des VPOD, der Beamtengewerkschaft. Der sogenannte Erfolg der Fachhochschulen beruht zu einem guten Teil auf den immer largeren Aufnahmekriterien. Dass für die Aufnahme in die meisten Studiengänge an den angeblich praxisorientierten Fachhochschulen keine Berufserfahrung mehr notwendig ist, spricht Bände. Das alte linke Ideal, dass jeder eine Hochschulbildung absolvieren können soll, kommt seiner Erreichung näher. Weil die Studenten dummerweise nicht immer intelligenter werden, müssen halt die Aufnahmekriterien und damit das Niveau der Hochschulen nach unten angepasst werden. Dass es bei den dadurch stark ansteigenden Studentenzahlen auch mehr Professoren braucht, ist ein angenehmer Nebeneffekt für die Klientel des VPOD. Und da Dozenten an einer Fachhochschule im Normallfall einen Uni-Abschluss haben müssen (2008 besassen gemäss Bundesamt für Statistik nur 14% der Fachhochschuldozenten einen Fachhochschul-Hintergrund), ist auch sichergestellt, dass der viel beschworene Praxisbezug als Unterscheidungskriterium zu den Unis nicht zu kurz kommt.

Fazit: zum Glück ist die gute Frau Professorin für soziale Arbeit und nicht für Wirtschaft, sonst müsste man sich fragen, wie sie wohl zu ihrem Abschluss gekommen ist.

Nachtwaechter, 24.06.2010

Die 7 Rückgratlosen in Bern

28. März 2010

In der Tragödie um den vom libyschen Diktator Gaddafi eingekerkerten Max Göldi wurde in der vergangenen Woche von der Schweizer Regierung und den verantwortlichen EU-Repräsentanten verzweifelt versucht, Hoffnung zu verbreiten. Noch gestern Samstag hätte die Schweizer Geisel zusammen mit dem italienischen Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi in die Freiheit zurückkehren sollen. Die Motive der Hoffnungsverbreiter aus Bern und Brüssel scheinen dabei durchaus unterschiedlich zu sein. Der EU ist es primär darum gegangen, für ihre Bürger wieder Visa für Libyen zu erhalten. Dieses Ziel hat sie durch ein bisschen Druck auf die Schweiz sicher erreicht. Die Freilassung der Schweizer Geisel hat für die EU keinerlei Bedeutung. Um den schönen Schein gegenüber der Schweiz zu wahren, gibt es derzeit vor allem aus Spanien noch einige laue Versuche, Max Göldi aus der Gefangenschaft zu befreien. Die Schweizer Regierung dagegen versucht, mit dem Gerede von Hoffnungsschimmern ihr völliges Versagen in dieser Affäre und ihr rückgratloses Verhalten gegenüber der EU zu kaschieren. Ein bisschen Druck aus Brüssel und schon ist man eingeknickt. Die Schweiz ist offensichtlich nicht in der Lage, ihre Interessen auch nur ansatzweise wahrzunehmen. Der Bundesrat in seiner gegenwärtigen Form und Zusammensetzung ist überfordert, agiert nie und reagiert meist zu spät und dann ohne erkennbare Strategie. Das Modell “Bundesrat”, Baujahr 1848, ist nach 162 Jahren reif für den Schrotthaufen der Geschichte.

Nachtwaechter, 28.03.2010

Die bösen Abzocker und Spekulanten

14. März 2010

Man stelle sich vor, da hat ein Staat jahrelang über seine Verhältnisse gelebt und nicht nur seine eigene Bevölkerung sondern auch die anderen Mitglieder in der gemeinsamen Währungsunion mit gefälschten Zahlen hinters Licht geführt. Und wer soll nun Schuld am ganzen Schlamassel sein? Richtig: die böseb Spekulanten. Eine krasse Fehleinschätzung und ein Negieren volkswirtschaftlicher Fakten. Griechenland hat über Jahre weit mehr Schulden gemacht, als gesund ist, darauf haben die Märkte reagiert, die Zinsen für griechische Staatsanleihen steigen. Wer sind sie also, die zur Zeit beliebtesten Sündenböcke, insbesondere bei Regierungen, die ihre Finanzen nicht mal annähernd im Griff haben? Sie sind die Überbringer von schlechten Botschaften und als solche sind sie verhasst. Sie versuchen, die Welt so zu sehen wie sie ist und nicht so, wie sie finanzpolitisch verantwortungslose Regierungen gerne hätten. Sie sind umso verhasster, je weniger uns die Realität in den Kram passt. Aber sind wir nicht alle Spekulanten? Hand aufs Herz, wer hat letzte Woche nicht um den 35 Mio Lotto-Jackpot gespielt? Oder in den goldenen Börsenjahren nicht mit Aktien gehandelt? Und dabei immmer auf den grossen Gewinn spekuliert? Spekulation ist gefährlich, aber vor allem für den Spekulanten selbst, denn er spielt mit dem eigenen Geld, mal abgesehen von den Ausnahmekönnern, denen es gelungen ist, jemanden zu überreden, ihm Geld zu leihen. Auch wenn es die Mächtigen nicht gerne hören: Märkte sind sehr demokratisch. Es gibt tatsächlich Leute, die das, was ein Unternehmen oder ein Staat macht, nicht gut finden und sogar ihr Geld darauf verwetten, dass es schief geht. Dass diese Leute nicht sehr beliebt sind, versteht sich von selbst. Sie sind aber auch eine wunderbare Form der (Selbst-) Regulierung.

Nachtwaechter, 14.03.2010

Wer zockt hier ab?

11. März 2010

Die Volksabstimmung zum Umwandlungssatz vom vergangenen Wochenende sei ein Votum gegen die Abzockerei der Manager im Allgemeinen und der Versicherungen und Banken im Speziellen gewesen. Angesichts der Tatsache, dass die Versicherungen in der Schweiz nur knapp 20% des Pensionskassenvermögens verwalten, stellt sich die Frage, wer die Abzocker bei den Pensionskassen sind, die die restlichen 80% des Vermögens verwalten. Könnte es sein, dass die letztlich für die Aufsicht verantwortlichen Stiftungsräte ihre Aufsicht fahrlässig oder vorsätzlich nicht wahrnehmen? Apropos Aufsicht: die Eigentümer des angesparten Vermögens, also die Arbeitnehmer, kümmern sich grossmehrheitlich keinen Deut um die Belange ihrer Pensionskasse. Da erstaunt es dann auch nicht, wenn die Aufsichtsgremien mehrheitlich mit Sesselklebern von oft fragwürdiger Kompetenz besetzt sind. Und es verwundert auch nicht, dass Leute, die oft nicht mal den Namen ihrer Pensionskasse, geschweige ihren Arbeitnehmervertreter im Aufsichtsgremium kennen, bei der Beurteilung einer versicherungsmathematischen Fragestellung (die Höhe des Umwandlungssatzes) überfordert sind und auf Grund von emotionalen Inputs auf dem Niveau von “Rentenklau” und “Abzocker” entscheiden.

Nachtwaechter, 11.03.2010