Man stelle sich vor, da hat ein Staat jahrelang über seine Verhältnisse gelebt und nicht nur seine eigene Bevölkerung sondern auch die anderen Mitglieder in der gemeinsamen Währungsunion mit gefälschten Zahlen hinters Licht geführt. Und wer soll nun Schuld am ganzen Schlamassel sein? Richtig: die böseb Spekulanten. Eine krasse Fehleinschätzung und ein Negieren volkswirtschaftlicher Fakten. Griechenland hat über Jahre weit mehr Schulden gemacht, als gesund ist, darauf haben die Märkte reagiert, die Zinsen für griechische Staatsanleihen steigen. Wer sind sie also, die zur Zeit beliebtesten Sündenböcke, insbesondere bei Regierungen, die ihre Finanzen nicht mal annähernd im Griff haben? Sie sind die Überbringer von schlechten Botschaften und als solche sind sie verhasst. Sie versuchen, die Welt so zu sehen wie sie ist und nicht so, wie sie finanzpolitisch verantwortungslose Regierungen gerne hätten. Sie sind umso verhasster, je weniger uns die Realität in den Kram passt. Aber sind wir nicht alle Spekulanten? Hand aufs Herz, wer hat letzte Woche nicht um den 35 Mio Lotto-Jackpot gespielt? Oder in den goldenen Börsenjahren nicht mit Aktien gehandelt? Und dabei immmer auf den grossen Gewinn spekuliert? Spekulation ist gefährlich, aber vor allem für den Spekulanten selbst, denn er spielt mit dem eigenen Geld, mal abgesehen von den Ausnahmekönnern, denen es gelungen ist, jemanden zu überreden, ihm Geld zu leihen. Auch wenn es die Mächtigen nicht gerne hören: Märkte sind sehr demokratisch. Es gibt tatsächlich Leute, die das, was ein Unternehmen oder ein Staat macht, nicht gut finden und sogar ihr Geld darauf verwetten, dass es schief geht. Dass diese Leute nicht sehr beliebt sind, versteht sich von selbst. Sie sind aber auch eine wunderbare Form der (Selbst-) Regulierung.
Nachtwaechter, 14.03.2010
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