Mit ‘Medien’ getaggte Artikel

“Der coole, wortkarge Unbekannte”

Dienstag, 20. Juli 2010

Wie weit gehen Schweizer Medien in der Idealisierung von Straftätern? Sehr weit sind die Blätter aus dem Hause TA Media am letzten Samstag, 17.7.2010 gegangen. Hans Leyendecker durfte eine ganze Zeitungsseite lang über den von Deutschland finanzierten Bankdatendieb schwärmen. Hans Leyendecker ist “investigativer” Journalist der “Süddeutschen Zeitung”. Es fällt auf, dass seine Artikel zum Thema jeweils sehr gut getimed sind, er kann häufig dann mit angeblich recherchierten Infos aufwarten, wenn gerade eine Aktion von deutschen Beörden gegen eine Schweizer Bank läuft, so wie aktuell die Hausdurchsuchungen bei der CS in Deutschland.

Die CS müsste schon sehr dumm sein, wenn bei ihren Niederlassungen in Deutschland belastendes Material zu finden wäre. Bekanntlich existiert in Deutschland kein Bankgeheimnis, die Behörden haben Zugriff auf sämtliche Kontodaten der Bankkunden. Wieso sollte also ein deutscher Steuerhinterzieher sein Geld zu einer deutschen Bank bringen? Wie auch bei der UBS funktioniert das Onshore-Geschäft (also die Niederlassungen in Deutschland) völlig getrennt vom Offshore-Geschäft (die Betreuung von ausländischen Kunden in der Schweiz). Mitarbeiter der CS in Deutschland betreuen keine Kunden der CS in der Schweiz und sie können sie auch nicht in die Schweiz vermitteln. Wie sollen diese Mitarbeiter also aktive Beihilfe zur Steuerhinterziehung geleistet haben? Die vom “coolen, wortkargen Unbekannten” entwendeten Daten betreffen Offshore-Kunden, also Ausländer, die von der Schweiz aus betreut werden. Für den nachtwaechter ist kein Zusammenhang zwischen den gestolenen Offshore-Daten und den Onshore-Kunden in Deutschland ersichtlich. Von einem “investigativen” Journalisten wäre zu erwarten, dass er sich mit solchen Fragen und Widersprüchen beschäftigt und nicht einfach ein Sprachrohr von deutschen Daten-Hehlern ist. Und von den Blättern aus dem Hause TA Media wäre zu erwarten, dass man sich nicht so naiv in eine Druckstrategie von deutschen Behörden einbinden lässt. Aber was macht man nicht alles, um auf den Schweizer Grossbanken herumhacken zu können.

Nachtwaechter, 20.07.2010

“Tun Sie doch nicht so überrascht”

Freitag, 09. Juli 2010

So Bundesrat Moritz Leuenberger bei der Medienkonferenz zu seinem Rücktritt zu den versammelten Bundeshausmedien. Der Nachtwaechter war politisch kaum je mit dem “roten Moritz” einverstanden. Er fühlt zwar selber keine Genugtuung, sieht aber, dass der Rücktritt von Moritz Leuenberger viele Gewinner bringt:

  • die Medien haben ihr Fressen für die Saure-Gurken-Zeit gefunden
  • die SVP kann ihren Anspruch auf einen zusätzlichen Sitz im Bundesrat geltend machen und “täubele” wenn’s nicht klappen sollte
  • die SP kann mit einem frischen Bundesrat (oder Bundesrätin) in den Wahlkampf 2011 steigen
  • Bundesrat Merz hat wieder mal gesehen, wie das so geht mit einem Rücktritt, der Nachtwaechter hofft auf einen Nachahmungseffekt

Aktuelle Berichterstattung zum Rücktritt auf www.nzz.ch. Eine kritische Bilanz (geschrieben bereits Anfang 2010, in weiser Voraussicht) in der Weltwoche.

Nachtwaechter, 09.07.2010