Mit ‘Rettung’ getaggte Artikel

Professorin für soziale Arbeit

Donnerstag, 24. Juni 2010

Gelesen im Beobachter 11/2010: “Solange der Bund 60 Milliarden für die Rettung einer einzigen Bank ausgibt, gibts für Bildung genügend Geld.” Gesagt von Katharina Prelicz-Huber, Nationalrätin und Professorin für soziale Arbeit.

Bei der guten Dame scheinen bezüglich wirtschaftspolitischem Know-How einiges schief gelaufen zu sein:

Das Engagement des Bundes betrug nicht 60 Milliarden, sondern 6 Milliarden. Aus der NZZ vom 21.08.2009: Peter Siegenthaler, Direktor der Eidgenössischen Finanzverwaltung, erklärte auf Anfrage, für den Steuerzahler habe sich das Risiko, das mit der Zeichnung der Pflichtwandelanleihe im Oktober 2008 eingegangen worden sei, reichlich ausgezahlt. Aus der Placierung der Titel wurden direkt 5,48 Mrd. Fr. gelöst, und weiter erhielt die Eidgenossenschaft von der UBS noch 1,8 Mrd. Fr. für geschuldete zukünftige Couponzahlungen. Grob gerechnet, erzielte der Bund auf seiner Position von 6 Mrd. Fr., die er rund acht Monate gehalten hatte, Nettoerlöse von etwas über 1,2 Mrd. Fr., was hochgerechnet auf ein Jahr die stolze Rendite von über 30% ergibt.

Die von der Nationalbank finanzierte Zweckgesellschaft für die US-Schrott-Hypotheken der UBS hatte per Ende 2009 Schulden von 24 Milliarden USD. Die 24 Milliarden USD werden der UBS aber der Nationalbank und nicht dem Bund geschuldet. Es ist natürlich zu erwarten, dass sich gerade Politiker mit der Geisteshaltung von Frau Prelicz-Huber um diesen Unterscheidung foutieren. Zu gerne hätten sie mehr Einfluss auf die unabhängige Notenbank. Wie so etwas herauskommt zeigen die Beispiele Venezuela oder aktuell auch die Euro-Zone.

Interessant ist auch der Kontext in dem die Professorin die Aussage gemacht hat: im besagten Beobachter-Artikel ging es um die Fachhochschulen, welche in den letzten Jahren Opfer ihres eigenen Erfolges geworden seien und daher, gemäss Frau Huber-Prelicz, mehr Geld benötigen. Auch dies eine bezeichnende Einstellung für die Präsidentin des VPOD, der Beamtengewerkschaft. Der sogenannte Erfolg der Fachhochschulen beruht zu einem guten Teil auf den immer largeren Aufnahmekriterien. Dass für die Aufnahme in die meisten Studiengänge an den angeblich praxisorientierten Fachhochschulen keine Berufserfahrung mehr notwendig ist, spricht Bände. Das alte linke Ideal, dass jeder eine Hochschulbildung absolvieren können soll, kommt seiner Erreichung näher. Weil die Studenten dummerweise nicht immer intelligenter werden, müssen halt die Aufnahmekriterien und damit das Niveau der Hochschulen nach unten angepasst werden. Dass es bei den dadurch stark ansteigenden Studentenzahlen auch mehr Professoren braucht, ist ein angenehmer Nebeneffekt für die Klientel des VPOD. Und da Dozenten an einer Fachhochschule im Normallfall einen Uni-Abschluss haben müssen (2008 besassen gemäss Bundesamt für Statistik nur 14% der Fachhochschuldozenten einen Fachhochschul-Hintergrund), ist auch sichergestellt, dass der viel beschworene Praxisbezug als Unterscheidungskriterium zu den Unis nicht zu kurz kommt.

Fazit: zum Glück ist die gute Frau Professorin für soziale Arbeit und nicht für Wirtschaft, sonst müsste man sich fragen, wie sie wohl zu ihrem Abschluss gekommen ist.

Nachtwaechter, 24.06.2010